Einbruchschutz: Was die Polizei rät

Das Thema Einbruchschutz rückt in den vergangenen Jahren immer mehr in den Vordergrund. Laut einer Veröffentlichung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist die Zahl der Einbrüche im Jahr 2015 auf 167.136 Fälle angestiegen. Das ist ein trauriges Plus von 9,9% im Vergleich zum Vorjahr. Seit der Öffnung der Grenzen zu Osteuropa können professionelle Bandenstrukturen aus dieser Gegend wesentlich einfacher nach Deutschland gelangen. Dies macht sich neben den Gelegenheitstätern bei den Einbruchszahlen entsprechend bemerkbar.

Aber: Mit einem sinnvollen Einbruchschutz kann man sich erfolgreich für den Ernstfall rüsten. In über 40% der Fälle (71.300) blieb es beim Einbruchsversuch. Dieses Ergebnis hat entscheidend mit der modernen Sicherheitstechnik für Wohnungen und Häuser zu tun. Mechanische und elektronische Vorkehrungen machen den Gaunern das Leben schwer und vermitteln den Eigentümern wieder mehr Sicherheit.

Schauen Sie sich die Infografik der Polizei an oder lesen Sie direkt unsere „10 Tipps zum besseren Schutz vor Einbrüchen“ !

Einbruchstatistik 2015
Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2015 / polizei-beratung.de

Wie Einbrecher arbeiten und warum die zugezogene Wohnungstür nicht ausreicht

Folgt man der Statistik, dann gehen Einbrecher vermehrt im Herbst und Winter ans Werk. In der sogenannten dunklen Jahreszeit bietet die längerer Dunkelheit ihnen besseren Schutz. Trotzdem erfolgen die meisten Einbrüche tagsüber und zwar im Zeitraum zwischen 8 und 22 Uhr. Die Aktivitäten steigen am Freitag und Samstag nochmals an, da Täter immer dann verstärkt „arbeiten“, wenn sie davon ausgehen können, dass die Wohnung verlassen ist.

Laut der GdP nutzen 80 % der Kriminellen bei ihren Einbrüchen sehr einfache Werkzeuge. Beispielsweise werden Schraubendreher genutzt, um Fenster und Türen in kürzester Zeit aufzuhebeln. Ganz nebenbei ist dieses Tatwerkzeug bei einer Polizeikontrolle unauffällig und daher ebenfalls häufig im Einsatz. Oberstes Prinzip: Es muss schnell gehen, um die Gefahr der Entdeckung durch Zeugen, Eigentümer oder Bewohner zu minimieren.

Genau hier liegt das Problem mit der einfach zugezogenen Haus- oder Wohnungstür. Ist diese nicht wirklich abgeschlossen, hat der Täter leichtes Spiel. Ein einfaches Instrument (wie der genannte Schraubendreher) reicht aus, um die Tür aus dem Schloss zu drücken. Gleiches gilt für gekippte Fenster, die professionelle Einbrecher sofort für sich ausnutzen können.

Schieben Sie die Installation oder das Nachrüsten von Einbruchschutz nicht auf die lange Bank

„Hier passiert schon nichts“ oder „was gibt´s hier schon zu holen?“ sind Aussagen, die man leider im Hinblick auf die Anschaffung von zuverlässigem Einbruchschutz viel zu häufig hört. Einbrecher sind oft Gelegenheitstäter, die eine offensichtliche Möglichkeit nutzen. Diese Tätergruppe weiss meist nicht, ob es tatsächlich wertvolle Gegenstände gibt oder nicht. Sie nutzen die Gunst der Stunde und den Vorteil nicht vorhandener Sicherungseinrichtungen.

Einbruchschutz kommt oft zu spaetFür die Opfer aber ist der Einbruch nicht nur ein finanzieller Schaden. Die Wohnung im Chaos nach dem Durchwühlen der Schränke und Räume zu sehen oder zu wissen, dass eine fremde Person in den persönlichsten Lebensbereich eingedrungen ist, bringt oft auch psychische Leiden mit sich. Das Sicherheitsgefühl, das man in den eigenen vier Wänden bis dahin hatte, ist oft stark erschüttert. Betroffene ziehen nach einem solchen Erlebnis immer wieder in andere Gegenden um. Sie ertragen den Gedanken nicht, dass der oder die Täter nochmal an gleicher Stelle zuschlagen könnten.

Die Installation von gutem Einbruchschutz sollte eine hohe Priorität haben. Mechanische oder elektronische Sicherheitseinrichtungen sind bei weitem nicht so kostspielig, wie die Folgen eines Einbruchs. Zudem gibt es unter bestimmten Voraussetzungen staatliche Fördermöglichkeiten für Sie, wenn Sie Eigentümer oder Mieter sind und Sicherheitstechnik nachrüsten wollen.

Nutzen Sie die folgenden Tipps und weiterführenden Artikelvorschläge, um dem Ernstfall vorzubeugen.

10 Tipps zum besseren Schutz vor Einbrüchen

 

1. Sorgen Sie zuerst für eine ausreichende mechanische Sicherung, bevor Sie zu weiteren elektronischen Maßnahmen greifen. So gelangen Täter erst gar nicht in Ihre Wohnung. Eine Alarmanlage und Kameratechnik kann zwar unterstützen, sollte aber nur als Zusatzsicherung betrachtet werden. Mit einem überschaubaren Geldbeutel ist der Fokus auf die Mechanik meist ausreichend.

 

2. Rüsten Sie bestehende Türen und Fenster mechanisch nach. Dabei sind die Kosten überschaubar, weil sie Fenster und Türen nicht komplett erneuern müssen. Welche genauen technischen Massnahmen Fachleute und die Polizei beim Nachrüsten empfehlen, lesen Sie in unserem Artikel „Nachrüsten von Einbruchschutz für Fenster und Türen

 

3. Falls Sie neu bauen oder einen kompletten Austausch von Fenstern und Türen durchführen wollen, beachten Sie die von der Polizei empfohlenen Widerstandsklassen und mechanischen Elemente. Einen Überblick dazu erhalten Sie in unserem Artikel „Einbruchschutz bei Neuanschaffung von Türen, Fenstern und Rollläden„.

 

4. Vergessen Sie ausgehöhlte Bücher, Ihren Dachboden oder den Schmuckkasten im Kleiderschrank als sicheres Depot für Wertgegenstände bei Einbruch. Die meisten Täter sind Profis und finden durch ihre jahrelange „Karriere“ auch vermeintlich unauffällige Verstecke. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) rät dazu, Wertsachen und Bargeld im zertifizierten Tresor oder dem Bankschliessfach zu lagern. Mehr Infos zu den 33 kuriosesten Geldverstecken, aber auch zu zertifizierten Tresoren in unterschiedlichen Preislagen und Widerstandsklassen finden Sie in unserem Artikel „Welche Tresor Sicherheitsstufen machen Sinn?

 

Was raet die Polizei bei Einbruch5. Alarmanlagen und Videoüberwachung können Sinn machen, wenn ihr Haus oder die Wohnung mechanisch ausreichend abgesichert sind. Wie ein stimmiges Konzept zur Einbruchsicherung aussehen kann und welche Alarm- und  Videotechnik der empfohlenen Norm entsprechen, erfahren Sie in den Artikeln „Überwachungskamera mit Aufzeichnung“ und „Was muss ich beim Kauf einer Hausalarmanlage beachten?

 

6. Schliessen Sie die Haustür grundsätzlich zweimal ab und verschliessen Sie Türen und Fenster. Dies gilt auch für Balkontüren und Terrassentüren. Auch wenn Sie „nur kurz“ aus dem Haus gehen. Ein professioneller Einbruch dauert meist nur wenige Minuten.

 

7. Ähnliches wie bei den Bargeldverstecken gilt auch für den Haustürschlüssel: Machen Sie nicht den Fehler, die Fußmatte, das Blumengefäß, den Briefkasten oder den Stein im Vorgarten als Versteck für Ihren Schlüssel zu nutzen. Einbrecher sind oft nicht zum ersten Mal am Werk und kennen die „geheimen“ Depots ihrer Opfer aus Erfahrung.

 

8. Wenn der Urlaub ansteht sollten Sie unbedingt dafür sorgen, dass jemand den Brieflasten leert. Bitten Sie vertrauenswürdige Nachbarn oder Familienmitglieder darum die Rollläden abends herabzulassen und morgens hochzuziehen. Außerdem können Nachbarn das Licht anschalten, Blumen giessen, Mülltonnen raus und wieder reinstellen. Lassen Sie die Rollläden aber nicht über Tag unten, damit Ihre Abwesenheit nicht sofort auffällt. Hinterlassen Sie auf Ihrem Anrufbeantworter oder an der Haustür keine Nachricht, die auf ihre Abwesenheit hindeutet. Schreiben Sie auf Kofferanhängern nie Ihre Adresse, die so für jeden gut lesbar wäre. Besser: Legen Sie einen Adresszettel für den Verlustfall direkt in den Koffer.

 

9. Informieren Sie sich über staatliche Fördergelder oder geförderte Kredite, die Sie bei der Nachrüstung oder Neuanschaffung von Sicherheitsvorkehrungen unterstützen. Unser Artikel „Staatliche Förderung von Einbruchschutz“ informiert Sie über die Rahmenbedingungen.

 

10. Legen Sie schnellstmöglich ein Verzeichnis aller Wertgegenstände im Haus oder in der Wohnung an. Fertigen Sie bestenfalls noch Fotos zu den einzelnen Objekten. Dies erleichtert der Polizei nach einem Einbruch die Arbeit und hilft Ihnen dabei Versicherungsansprüche geltend zu machen. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel „Zahlt meine Hausratversicherung bei Einbruch?